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Geht’s noch??

In den letzten zwei Tagen, habe ich mit verschiedenen Leuten teils heftige Diskussionen zu diesem Thema gehabt. Auch im Internet.
Bei Diskussionen mit Auslandschweizern hört man eher eine Beschämtheit heraus. Eine Ami im Forum der New York Times meinte sogar, dass eine solche Initiative in den USA mit Garantie vom Bundesgericht gestoppt würde, wenn sie denn eine direkte Demokratie hätten inkl Initiativ- und Referendumsrecht 😉
Der Tenor v.a. bei Leserbriefen in Schweizer Zeitungen ist hingegen eher: Jeder der gegen die Initiative ist und sich jetzt aufregt sein ein „schlechter Verlierer“.
Das ist wieder mal typisch Schweiz.

Solche Leuten möchte ich folgendes sagen: Jeder Befürworter muss aktzeptieren, dass er/sie mit seiner/ihrer Stimme sich nicht anders verhalten als einfache Rassisten. Rechte aufgrund von Religion oder Herkunft zu verweigern ist eine der Definitionen von Rassismus.

Der Rassismus ist die verallgemeinerte und verabsolutierte Wertung tatsächlicher oder fiktiver Unterschiede zum Nutzen des Anklägers und zum Schaden seines Opfers, mit der seine Privilegien oder seine Aggressionen gerechtfertigt werden sollen

http://de.wikipedia.org/wiki/Rassismus#cite_note-Memmi-36

Da gibt es nichts zu entschuldigen oder zu relativieren. Wer anfängt moralische Imperfekte zu relativieren (z.B. Gleichberechtigung aller), der geht noch hinter die französische Revolution zurück, ins tiefe Mittelalter.
Und wer glaubt, dass so eine „Entscheidung“ eine „mögliche Terrorgefahr“ mindern würde, hat glaub ich sehr gute Drogen genommen. Denn Terroristen scheren sich einen Dreck um die Meinung im Ausland. Nur in ihren Basisländern müssen sie dafür sorgen, dass sie „Argumente“ für ihren Weg haben.
Heute kann Bin Laden sagen: „Hey seht mal, diese ungläubigen Schweizer erlauben es uns Moslems nicht nach dem Koran zu leben. Bomben wir sie weg“. Ich weiss dass seine Argumentation einfach nur scheisse ist, aber wie steht das mit einem jungen durch Krieg radikalisierten Afghanen oder Pakistani aus? Für den kann das „nachvollziehbar“ klingen.

Oft gehörtes Argument: „Ja aber in Ländern wie z.B. Algerien oder Saudi-Arabien darf man auch keine Kirchen bauen“.
Antwort: „Ja und? Wollen wir uns echt mit solchen Ländern vergleichen/messen?“

Argument: „Die Moslems müssen sich klar von den Terroristen distanzieren und das haben sie nicht getan und darum ist es gut so“
Antwort: „Wieso sollte es eine kollektive Verwantwortung aller Moslems geben? Wenn dem so wäre müssten wir Christen uns noch bis in alle Ewigkeit entschuldigen. Täglich töten auch Menschen des christlichen Glaubens“

Argument: „Zur Verteidigung der Freiheit und Sicherheit ist das nötig“
Antwort: „Zur Verteidigung der Freiheit diese einschränken?? Welcome to Absurdistan. Und aprops Sicherheit: Es hätte mehr gebracht die GSOA Initiative anzunehmen“

Argument: „Es ist ja heute schon so, dass die Religionsfreiheit nicht uneingeränkt gilt z.B. das Verbot Tiere zu schächten oder zu opfern“
Antwort: „Das stimmt und das ist auch rechtens so. Nur kann diese Argumentation nicht auf die Minarettinitiative angewendet werden, weil das Schächt -und Opferverbot aus dem Tierschutzgesetz kommt. Damit gilt es für alle Menschen in der Schweiz als absolutes Recht. Und nicht nur für einen Teil der Menschen wie bei der Minarettverbot.“

Argument: „Solange die uns nicht erlauben Kirchen zu bauen ist unser Verbot okay“
Antwort: „Wer ist die? Und wie undifferenziert ist denn so ein Argument? Falls man es noch nicht weiss, die Moslems kommen nicht alle aus dem gleichen Land. Zwischen den verschiedenen moslemischen Staaten gibt es gewaltige Unterschiede. Es gibt sehr viele solche Länder die auch christliche Traditionen haben und erlauben z.B. die arabischen Länder des Nahen Ostens. Es gibt in den meisten moslemischen Ländern sakrale christliche Bauten. Nur ganz wenige Länder verbieten dies radikal wie z.B. Saudi-Arabien“

1 comment to Geht’s noch??

  • tobi

    Das Problem ist nicht die Initiative an sich, sondern die „rassistische“ Einschränkung auf nur eine Religionsgemeinschaft. Stimmt Kirchen, Moscheen und Tempel gehören nicht zur Basisreligion. An Gott, Jehova, Allah, Buddha oder irgendeinen indischen Gott zu glauben setzt keine „Gotteshäuser“ voraus. Nur muss dann das alle Religionen betreffen (auch Tom Cruise und seinen Verein).
    Und wenn zu den ersten Gratulanten die FPÖ, Le Pen, der Flams Block und der holländische Islamhasser gehören, dann ist das schon ein Problem!

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