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Burka Verbot in der Schweiz?

Es verwundert mich leider nach der Minarettinitiative überhaupt nicht mehr, wenn jetzt ein Vorschlag wie das Verbot des Tragens einer Burka im Kanton Aargau auftaucht. Es erschreckt mich auch nicht mehr, wenn eine breites Spektrum von Parteien diese Forderung unterstützen und sogar auf nationaler Ebene verankern wollen. Ob wir es wahrhaben wollen oder nicht, wir haben ein Rassismusproblem in der Schweiz. Und zwar nicht die SD-radikale, einfach zu erkennende Art, sondern eine subtilere Form. Die eigentlich aber viel gefährlicher ist weil sie breitere Bevölkerungsschichten betrifft.

Es werden Rechtfertigungen konstruiert, die eigentlich nur von der einfachen Aussage ablenken sollen: „Wir sind Rassisten, wollen es aber noch nicht mal zugeben“. Diese Form des Rassismus ist versteckt. Das ist auch de Grund warum die Meinungsforscher bei den Abstimmungsprognosen zur Minarettinitiative so daneben liegen konnten. Das heisst die meisten Ja-Stimmer waren sich wohl bewusst, dass es falsch ist, würden jedoch eine solche Meinung nicht offen vertreten.

Dabei gibt es sowohl bei der Minarettinitiative als auch bei der Idee des Burkaverbots keinerlei Interpretationsspielraum: Es handelt sich, ob man es wahrhaben will oder nicht, um eindeutige Fälle von Rassismus. Kirchenglocken, die die ganze Nacht bimmeln sind genau so störend wie ein Vorbeter der vom Minarett schreit. Wieso darf eine muslimische Frau nicht aus freien Stücken eine Burka tragen dürfen?

Wenn sie von ihrem Mann/Familie gezwungen wird, dann ist das bereits durch existierende Gesetze gegen Nötigung verboten. Da braucht es also keine zusätzlichen Gesetze.
„Witzig“ finde ich ja, dass Wirtschaftsparteien und Vertreter der Wirtschaft (v.a. der Tourismus) zwar für eine solche Gesetzgebung sind, dann aber doch Ausnahmen für wohlhabende ausländische Touristinnen fordern. Sie sähen darin keinen Zynismus.
Nur ist das sowohl zynisch als auch rassistisch, denn aufgrund der Herkunft werden unterschiedliche Rechte angelegt. Das ist die Definition von Rassismus! Zynisch ist es weil es dann verboten sein wird, das eine Muslima, die in der Schweiz lebt und die Burka tragen will, das darf. Handkehrum wird es erlaubt sein, wenn ein arabischer Tourist seine Frau zum Tragen der Burka zwingt. Er bringt ja Kohle in die Schweiz und damit gelten für ihn und seinen Harem andere Gesetze, als für Moslems, die in der Schweiz leben.
Der saudische Wahabit darf also seine Frau(en) zu Hause mit dem Stock verprügeln und dann in die Schweiz zum Urlaub kommen. Toll damit man die blauen Flecke seiner Frauen nicht sehen kann, darf er sie mit dem Schutz des Gesetzes unter einer Burka verstecken. Braucht noch irgendjemand eine Definition von Zynismus?
Eigentlich müssten alle Wirtschaftsparteien und Politiker gegen ein Verbot sein. Aber da die neue Wirtschaftspartei die SVP ist, welche den Zynismus für sich gebucht hat, wundert mich gar nix mehr.

Wenn ich dann in gewissen Diskussionssendungen altgediente Frauerechtlerinnen sehe, die für ein generelles Burkaverbot sind, dann wird mit ob diesem Spagat schon beinahe übel. Über Jahrzehnte haben diese Aktivistinnen für die Rechte der Frauen gekämpft. Dabei ging es v.a. um die freie Selbstbestimmung der Frauen. Heute sitzt Frau X da und spricht eben genau dieses Selbstbestimmungsrecht den moslemischen Frauen ab.
Es ist das Recht einer jeden moslemischen Frau aus freien Stücken zu tragen was auch immer sie will. Ob es in unsere Moralvorstellungen passen mag oder nicht darf keine Rolle spielen. Denn sonst müssten die gleichen Kreise ja aufspringen, ob der freizüglichen Kleidung der heutigen Zeit 🙂

Um es in aller Klarheit festzuhalten: Ich bin absolut dagegen, dass eine Frau/Mädchen zu einer Burka oder was auch immer sonst gezwungen wird. Weder Familie noch die „Religion“ haben das Recht zu solchem Zwang. Wenn aber eine Frau dies aus Respekt ihrem Gott gegenüber UND aus freien Stücken tun will, dann haben wir niemals das Recht darüber zu urteilen. Nur weil wir darin ein Symbol der Unterdrükung erkennen mögen, muss nicht jede Burkaträgerin eine geschlagene und unterdrückte Frau sein.

Klar braucht es Regeln im täglichen Leben. So muss z.B. sichegestellt werden können, dass eine Burkaträgerin jederzeit bei einer Personenkontrolle identifiziert werden kann. Dabei kann es wohl notwendig sein, dass eine Trägerin ihr Gesicht zeigen muss. Hier finde ich, dass man sich anpassen muss und das Gesicht auch einem männlichen Polizisten zeigen muss. Ich denke das dürfte man erwarten können. Auch gibt es sicher weitere Bereiche wo eine persönliche Identifizierung notwendig ist.
Wenn man aber deswegen gleich das Tragen der Burka verbieten will, dann ist das wie mit Atombomben auf Spatzen geschossen.

Es wird auch immer von Integration gesprochen in diesem Zusammenhang: „Die Moslems müssen sich an die Schweiz anpassen, sie leben ja hier in unserer Kultur“. Das hat nun nicht mehr sehr viel mit Integration und Koexistenz zu tun, sondern viel mehr mit Assimilation.

Ich beginne mich immer mehr für unser Land zu schämen.

1 comment to Burka Verbot in der Schweiz?

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