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Deepwater Horizon


Am 22. April 2010 ist die Ölplattform Deepwater Horizon, die von Transocean im Auftrag von BP betrieben wurde, im Golf von Mexiko – nach einer schweren Explosion und anschliessendem Feuer – gesunken. Täglich treten nach Schätzungen bis zu 700’000 Liter Rohöl aus.

Der resultierende Ölteppich hat mittlerweile die Küstengebiete der USA erreicht. In den Bundesstaaten Louisiana, Florida, Mississippi und Alabama wurde der Notstand ausgerufen und Armee und Nationalgarde wurden zum Küstenschutz aufgeboten. Besonders betroffen sind das Mississippi-Delta und das nahe gelegene Wildschutzgebiet Pass à Loutre.

Die kurzfristigen Konsqeuenzen für die Flora und Fauna werden katastrophal sein. Milionen von Zugvögeln verbringen z.Z. ihre Nistzeit in dieser Region. Die Mangrovenwälder werden grösstenteils absterben und damit wird die Küstenerosion mittelfristig sicherlich zunehmen. Auch die in Küstennähe liegenden Sumpfgebiete, welche Rückzugsräume für viele Wildtiere sind, werden sehr darunter leiden. In diesen unzugänglichen Gebieten wird es fast unmöglich sein, die Ölverschmutzung zu beseitigen. Gerade dort werden wohl auch mittel- und langfristig schwere Schäden auftreten.

Das Meer an sich wird sich, wie viele Katastophen der Vergangenheit bewiesen haben, wahrscheinlich erstaunlich schnell „erholen“. Unglücke wie die Exxon Valdez oder die Amocco Cadiz haben gezeigt, dass nach ungefähr 10 Jahren die Natur sich soweit selber geheilt hat, dass viele Tierarten wieder überleben können. Im Wasser gibt es verschiedene Bakterienarten, die sehr effizient Rohöl abbauen können. Dabei haben alle Unglücke der Vergangenheit gezeigt, dass diese Bakterien sehr viel effizienter sind als alle Möglichkeiten, die wir Menschen einsetzen können. Natürlich können diese Bakterien erst so „richtig loslegen“, wenn der Zufluss an Rohöl gestoppt wurde.

Leider ist es den Rettungsmannschaften bis heute nicht gelungen die Bohrung zu versiegeln. Auch konnte bis heute keine Möglichkeit gefunden werden das auströmende Öl möglichst direkt abzusaugen. „Fairerweise“ muss man anfügen, dass dies technisch auch nicht so einfach ist. Erstens liegt die Bohrung mehr als 1’000m unter dem Wasserspiegel und zweitens ist der Druck beim Austritt des Öl-Gasgemisches unglaublich hoch.
Zur Zeit planen die Ingenieure eine Entlastungsbohrung, um den Druck bei der Unglückstelle zu vermindern.

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3 comments to Deepwater Horizon

  • Tobi

    Bis heute, gut 50 Tage nach dem Untergang, hat es BP trotz aller Anstrengungen nicht geschafft, das Bohrloch zu verschliessen. Immer noch strömen tausende von Litern Rohlöl täglich in den Golf von Mexiko. Die Folgen für Flora und Fauna werden katastophal sein.
    So liegt z.B. im Golf eines von nur 2 weltweiten Laichgebiete des roten Tunfisches. Das andere liegt im Mittelmeer. Niemand weiss was mit dieser Generation an Tunfisch passieren wird. Es ist sehr gut möglich, dass dabei eine ganze Generation nicht überleben wird.
    Allerdings halte ich es trotzdem für falsch hier BP einen Strick zu drehen. Unsere fossile Gesellschaft, die gut 85% ihres Energiebedarfs mit fossilen Energieträgern deckt, lässt Firmen wie BP ja gar keine andere Möglichkeit als immer tiefer zu bohren und in immer gefährlichere Tiefen vorzustossen. BP deckt nur die Nachfrage.
    Desweiteren muss ganz klar gesagt werden, das Firmen wie BP, Esso, Shell oder Exxon nur gut 5% des weltweiten Öls fördern. Der grosse Rest wird von staatlichen Firmen wie z.B. Saudi Amocco gefördert. BP, Shell und Co sind also oft gezwungen in Risikogebieten zu bohren, die meist Offshore und in entsprechenden Tiefen sind.
    Es ist eine Katastophe was passiert ist, keine Frage. Aber es ist „gut“, dass dies in den USA passiert ist und nicht in einem Land wie z.B. Angola oder Nigera. Auch dürfte es von „Vorteil“ sein, dass eine kaptialstarke Firma wie BP betroffen ist. Damit kann man doch mit ziemlicher Sicherheit annehmen, dass alle Verbindlichkeiten gedeckt werden können.
    Letztendlich müssen wir uns auch die Frage stellen, was uns unser Lebenstadart „wert“ ist. Wie es scheint sind wir bereit Kriege für’s Öl zu aktzeptieren. Der Irakkrieg ist ja nichts anderes als ein Krieg um Ölressourcen und deren Kontrolle. Wir müssen bereit sein auf gewisse Dinge zu verzichten, sonst werden solche Katastrophen in Zukunft noch öfters auftreten.
    Es ist letztlich eine gesellschaftliche Frage. Ich will damit nicht Firmen wie BP in Schutz nehmen, aber man muss schon so fair sein und betonen, dass Firmen wie BP auch nach Öl bohren, um unseren hohen Lebensstandart zu erhalten.

  • Tobi

    Neben den Katastrophe im Golf von Mexiko und der Fussball-WM geht die Ölkatastrophe in Nigeria leider unter. Jedes Jahr treten Ölmengen in der Grössenordnung von Exxon Valdez ins Nigerdelta. Flora und Fauna werden dabei auf Jahrzehnte hinaus verseucht
    Bericht bei der BAZ

  • tobi

    Der neuste Versuch von BP mittels einer Absaugglocke das Öl vollständig absaugen zu können scheint zu klappen. Zwar sind die abschliessenden Lasttests noch nicht gemacht, aber es schaut jetzt doch vielversprechend aus. http://www.zeit.de/wissen/umwelt/2010-07/bp-oelleck-absaugklappe-moratorium

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