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Vorsätzliche Tötung bei Raserennen

Gestern wurde das Urteil im „Raserprozess“ von Schönenwerd bekannt gegeben. Um es gleich vorweg zu nehmen: Ich finde es gut, dass hier sehr harte Strafen augesprochen wurden. Allerdings finde ich es problematisch dabei von einem Vorsatz auszugehen. In meinem Verständnis von „Vorsatz“ muss ein Täter bereits vor der Tat die Absicht gehabt haben diese Tat zu begehen. Niemand kann direkt in die Gedanken der Täter schauen, aber ich kann mir nicht vorstellen, dass sie mit der Absicht losgebrettert sind, jemanden zu töten oder zu verletzen. Vermutlich hielten sie sich für so gute Fahrer, dass sie davon ausgingen, dass eh nichts passieren würde.
Wo sind die vorbereitenden Handlungen, die zu einem Vorsatz gehören? Nur das Starten des Autos kann es nicht sein, denn damit würde jeder Autofahrer diesen Vorsatz begehen.
Auch kann es imho nicht sein, dass erst von Vorsatz gesprochen wird, wenn wirklich etwas passiert. Was ist denn mit einem Raser der mit 120 km/h durch ein Dorf brettert und dabei „nur“ geblitzt wird? Der müsste ja wegen vorsätzlicher schwerer Gefährdung von Leib und Leben mindestens 3 Jahre bekommen. Keinesfalls dürfte das dann mit einer saftigen Geldbusse und einer bedingten Strafe „abgetan“ werden. So ein „Täter“ hat es genau gleich billigend in Kauf genommen jemanden zu töten, wie die Raser von Schönenwerd. Falls nicht, dann kann man beim besten Willen auch in Schönenwerd nicht von einem Vorsatz ausgehen. Vielleicht ein Eventualvorsatz, aber der würde dann deutlich milder bestraft.

Was die Richter getan haben finde ich jedoch richtig. Allerdings muss sich mit so einem Urteil auf jeden Fall noch eine höhere Instanz beschäftigen. Es müssen ganz klare gesetzliche Regeln aufgestellt werden, die solche Fälle abdecken können.
Denn auch der Fahrer der mit 1.5 Promille in sein Fahrzeug steigt tut dies, der Argumentation aus Schönenwerd folgend, vorsätzlich. Auch wenn dabei nichts gravierendes passiert.
Da ist der Gesetzgeber gefodert, um strengere Regeln aufzustellen. Letztendlich muss ein Auto gleichbehandelt werden wie eine Schusswaffe. Das hätte dann aber zur Folge, dass nicht nur bei Unfällen scharf reagiert werden muss, sondern bereits bei normalen Geschwindigkeits- und Alkoholkontrollen.

Meine Meinung: Eine Grenze (Geschwindigkeitsüberschreitung) gesetzlich definieren, die als Rasen gilt. Und dann bei Verstössen dagegen – unabhängig von einem Unfall oder nicht – drakonische Strafen aussprechen. Bedingte Strafen müssten dabei wohl abgeschafft werden. Jemand der – ohne einen Unfall zu verursachen – mit über 100 Sachen durch eine Ortschaft brettert, gehört dann zwingend weggesperrt. Zwar nicht solange wie jemand, der dabei eine Person tötet, aber eine bedingte Strafe darf dann keinesfalls mehr in Frage kommen. Was wird dann mit Alkohol am Steuer gemacht? Auch wenn kein Unfall passiert? Der Fahrer hat genau den gleichen Vorsatz. Wenn da nicht von vorsätzlicher Gefährdung von Leib und Leben ausgegangen wird, dann kann man imho auch bei „echten“ Raserunfällen nicht von Vorsatz ausgehen. Das würde sonst das Rechtssystem ad-absurdum führen. Denn wie bereits eingangs erwähnt, kann ein Vorsatz nicht durch das Ergebnis einer Tat definiert werden, sondern nur durch die Tat an sich. Und jeder Autofahrer muss wissen, dass Autofahren sehr gefährlich ist und jederzeit etwas passieren kann. Niemand darf sich „rausreden“ können mit „aber es ist ja nichts passiert (ausser dem Überschallknall als ich durchs Dorf gerettert bin).

Lange Rede kurzer Sinn: Ich bin klar für scharfe Strafen. Aber nicht nur in den Fällen wo wirklich etwas schlimmes passiert, sondern immer wenn im Auto bestimmte Grenzen überschritten werden. Also auch wenn der OLMA Besucher leicht angeduselt in sein Auto steigt und schön brav mit 50 Sachen heimfährt. Er wusste ja bereits zuvor, dass seine Reaktionszeit vermindert sein wird und damit begeht er das „besoffene“ Fahren in jedem Fall vorsätzlich. Er/sie nimmt es also billigend in Kauf im Ernstfall nicht mehr schnell genug reagieren zu können und u.U. auch jemanden zu töten oder schwer zu verletzen. Genau gleich billigend wie die Raser von Schönenwerd. Wer hier eine Unterscheidung zieht hat das Prinzip des Vorsatzes nicht verstanden und sollte die Klappe halten. Damit meine ich v.a. die selbsternannten Rechtsexperten gewisser Medien und Vereinigungen.

4 comments to Vorsätzliche Tötung bei Raserennen

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