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Banksters

Wirtschaftskrise, Finzanzkrise, Eurokrise, globale Erwärmung. All diese Stichworte haben gemeinsame, dass sie auf der gleichen Grundproblematik basieren: Nämlich, dass unser „System“ alles andere als nachhaltig oder auf Nachhaltigkeit bedacht ist. Im Folgenden möchte ich einige dieser Punkte aufzeigen und auch Namen und Organisationen nennen. Manchmal meine ich dabei eine Person persönlich und manchmal steht eine Person oder eine Organisation für verschiedene Personen/Organisationen. Das muss der Leser selber entscheiden.

Die Weltwirtschaft steht kurz vor dem Kollaps. Die Banken und ihre Gier haben das Finanzsystem beinahe an die Wand gefahren. Allen voran die Wall-Street-Banken, also die ziemlich unregulierten Investmenthäuser, trugen ihren Teil zur Krise bei, mit Wetten mit oder gegen den Markt. Dass bei diesen Wetten nur einer wirklich verdienen konnte, erwähnten diese Häuser ihren Kunden gegen-über mit keinem Wort. Die Investments in CDO/CDS-Papiere waren nur für die Banken eine garantierte Win-Win-Situation.

Extrem auf die Spitze getrieben hat es hierbei die Bank Goldman Sachs. Diese Papiere waren im Grunde Zusammenfassungen von Hypothekarschulden in verschiedenster Qualität, sprich ver-schiedenste Bonitäten der Schuldner. Letztlich kaufte man sich damit Papiere, die als Sicherheiten (Deckung) mit verschiedenen Hypotheken hinterlegt waren. Dieses Konstrukt ist an sich nichts böses, problematisch wird es erst dadurch, dass beinahe keine Transparenz mehr vorhanden war. Für einen Käufer war es beinahe unmöglich, die Qualität der hinterlegten Sicherheiten zu beurteilen und daher verliessen sich die meisten Käufer auf die Bewertungen (Ratings) der Ratingagenturen wie z.B. Moodys oder Standart and Poors(S&P).
Diese Agenturen befanden sich aber eigentlich in einem Dilemma. Denn einerseits kamen Banken zu ihnen und wollten, dass ihre neuen Konstrukte bewertet werden. Und andererseit waren diese Banken die Geldgeber und damit mussten diese Agenturen auch schauen, dass sie diese Kunden nicht vergraulen. Also schmissen sie mit Tripple-A’s und AAA+ Bewertungen nur so um sich. Das sind normalerweise Bewertungen für Top-Investements, eigentlich können diese Ratings nur von Staatsbonds erreicht werden, da diese mit staatlichen Garantien hinterlegt sind d.h. Der Staat resp der Steuerzahler bürgt für das Investment. Die wenigsten der grossen Industrie- oder HiTechfirmen kamen auch nur annährend in diese Ratingbereiche.

Also musste doch jeder Endkunde denken, dass diese Investments hochsicher seien. Problematisch sind solche Spitzenratings auch, weil z.B. Pensionskassen oder staatliche Organisationen z.B. Die Wasserwerke einer Stadt, Vorschriften haben bezüglich der Sicherheit der Investments. Ironischer-weise durften also diese Investoren z.B. Keine Firma mit einem B-Rating kaufen. Sie durften jedoch problemlos diesen CDO/CDS Schrott kaufen, da dieser ja mit Spitzenratings belegt war. Die Ratingagenturen haben es also erst möglich gemacht, dass überhaupt soviele Milliarden in dieses System gepumpt werden konnten. Den Interessenkonflikt mit den Banken als Auftragsgeber haben sie aber geflissentlich unterschlagen. Bei den Anhörungen vor dem Finanzausschuss des US-Senats haben die Chefs der Agenturen sogar die Frechheit besessen sich damit rauszureden, dass ihre Ratings ja nur Empfehlungen seien:
„Ohne jegliche Aussage zur Qualität eines Investments. Ohne jegliche Verbindlichkeit. Nur Meinungen, welche durch das 3. Amendment der Verfassung geschützt sind“
So etwas ist wirklich nur dreist. Jahrelang haben die Agenturen also Geld kassiert und dann nur „Meinungen“ publiziert? Dann frag ich mich wofür braucht man dann Rating-Agenturen? Eine Meinung kann ich auch für 1 Euro 50 in der Bild lesen. Wie es scheint kommen die Agenturen aber mit diesen Aussagen vor der Strafe davon.

Zurück aber zu Goldman Sachs. An Perversion war deren Verhalten schon eigentlich nicht mehr zu überbieten. Sie verkauften ihren Kunden, ihre CDO/CDS Konstrukte. Gleichzeitig deckten sie sich aber bei Versicherungen v.a. Bei AIG (American Insurance Group) mit Papieren ein, die auf einen Preiszerfall der eigenen Konstrukte setzten. Irgendwann hatten sie von AIG so viele Absicherungen gekauft, dass sie Angst bekamen, dass AIG hops gehen könnte, wenn diese Versicherungen fällig würden. Also versicherten sie sich mit ca 100 Mio Dollar gegen eine Pleite von AIG.
Vor AIG ging aber noch die Investmentbank Lehmann Brothers über Nacht pleite. Man geht heute davon aus, dass dies aus Unkenntnis der ausländischen Konkursrechte geschah. Das Mutterhaus an der Wallstreet glaubte wohl durch eine Konkurserklärung unter Gläubigerschutz (Chapter 11 nach US-Konkursrecht) zu kommen. Nur dummerweise verlangte das britische Konkursrecht die sofortige Einstellung jeglichen Handels und die Räumung der Büros. Damit konnte Lehmann Brothers Fälligkeiten nicht mehr bedienen und eine regelrechte Schockwelle schoss durch das Finanzsystem. Keine Bank traute der anderen und der sogenannte Interbanken-Verkehr kam praktisch zum Erliegen. Dieser Interbankenverkehr ist eine sehr wichtige Möglichkeit für Banken, um kurzfristig an Liquidität zu kommen. Die europäischen Staaten wären bereit gewesen Lehmann zu retten, doch verlangten sie entsprechende Garantien vom amerikanischen FED, der US-Zentral-bank, was diese jedoch ablehnte. Damit war Lehmann am Ende.

Kurze Zeit später zeigten sich die Probleme bei AIG. Es fand eine wahre Verkaufswelle bei CDO/CDS statt v.a. Nachdem sich eine landesweite Imobilienkrise in den USA abzeichnete. Diese Papiere wurden praktisch wertlos und damit wurde diese Versicherungen fällig. Das konnte AIG niemals stemmen und musste sofort unter staatlichen Schutz gestellt werden. Der Staat übernahm für hundert Miliarden Dollar Garantien für diese Versicherungen. Ohne diese Garantien wäre die Welt wohl stillgestanden, weil praktisch alles und jeder irgendwie und irgendwo bei AIG versichert ist: Oeltanker, Flugzeuge, Eisenbahnen oder Kraftwerke (Wasser, Kohle oder Atom) um nur einige Beispiele zu nennen.

In den USA kamen zwei Dinge erschwerend hinzu: Einserseits ist es in den USA gang und gäbe mehr an Hypotheken aufzunehmen, als die Immobilie eigentlich wert ist. Der Ueberschuss wurde dabei häufig als Konsumkredit genutzt z.B. War ein Haus 60’000 Dollar wert und der Käufer nahm eine Hyptothek über 80’000 Dollar auf. Dann nutzte der Käufer diese 20’000 Dollar als Kredit für seinen Konsum.

Das andere Erschwernis in den USA war, dass auch ganz normale Konsumkredite (z.B Karten-schulden oder Konsumkredite) in CDO und CDS zusammengefasst wurden. Dabei wurde praktisch keine Rücksicht mehr auf die Bonität der Schuldner genommen und der letzte Schrott wurde geschnürt, gebündelt, versichert und auf den Mark geworfen. Dass das einen grossen Knall geben muss, wenn es zu grossen Rückzahlungsschwierigkeiten der Schuldner kommen würde, musste ein gehörloser Blinder kommen sehen hören 🙂

Diese Konstrukte fielen wie Dominosteine und rissen andere – eigentlich mit guten Sicherheiten hinterlegte – Konstrukte mit sich in den preislichen Abgrund. Banken begannen ihre Hypothekar-schuldner zur Rückzahlung zu zwingen resp nahmen zahlungsunfähigen Schuldnern gleich reihen-weise die Häuser weg. In den USA entstanden richtige Zeltstädte, wie in einem 3. Welt-Land. Menschen, die kurz zuvor noch ein Haus hatten, mussten an Suppenküchen der Wohlfahrt anstehen, um wenigstens eine warme Mahlzeit zu erhaschen.

Und was geschah gleichzeitig mit den Managern der Investmentbanken, die diese Krise erst losge-treten haben? Die durften kündigen, bekamen Abfindungen für verfrühte Vertragsauflösung und kassierten noch ihre Pensionskassen ab. Einige von ihnen kamen mit hunderten von Millionen Dollar davon. Einige wurden sogar befördert und kassierten dann erst richtig ab.
Ein Beispiel der letzten Sorte ist Hank Paulson. Er war CEO bei Goldman Sachs und über Jahre ein eifriger Bekämpfer jeglicher Regulierung und Vorschriften im CDO/CSO Markt. U.a. Ihm ist es zu ver-danken, dass dieser Markt niemals ernsthaft reguliert wurde und damit die Banken treiben konnten was sie wollten. Dieser Hank Paulson wurde dann von Bush Junior zum Finanzminister gemacht! Dank eines Gesetzes von Bush Senior, wonach kein Mitarbeiter der Exekutive Beteiligungen an Firmen haben darf, durfte er seine gut 500 Mio Dollar Optionen von Goldman Sachs steuerfrei verkaufen. Das sparte ihm ungefähr 50 Mio Dollar an Steuern. Eine halbe Milliarde, das finde ich einfach nur frech.

Als Finanzminister tat er dann eigentlich nicht viel mehr als Geld für die Banken zu sprechen, ohne dabei aber ernsthafte Regulierungen oder Vorschriften durchzusetzen. Die Staaten begannen via Bad Banks den Geschäfts- und Investmentbanken ihre faulen Investments ab-zukaufen. Damit konnten sich diese auf Kosten und Risiken der Steuerzahler mehr oder weniger schadlos halten. Eine UBS wäre pleite gegangen wenn der Schweizer Staat keine Garantien ge-sprochen hätte. 6 Mrd als direkter Kredit und 60 Mrd als Bürgschaft für die Zukunft. Die Banken machten ein paar Jahre dicke Abschreibungen und zahlen heute wieder Rekordboni. Scheinbar sind an der Wallstreet 2010 30% des Gewinns als Boni resp Gratifikationen bezahlt worden. Ein Wert, der nicht einmal während der fettesten CDO/CDS-Jahre erreicht wurde

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