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My Lai?

Das erste was mir durch den Kopf gegangen ist, als ich von dem Blutbad in Afghanistan gehört habe, war: My Lai, das bekannteste und am besten dokumentierte Massaker des Vietnamkrieges. Ich habe mit der offiziellen Darstellung der Ereignisse so meine Probleme und möchte diese im Folgenden kurz erläutern. Dabei ist Version A die offizielle Version, die folgenden sind dann „meine“ Versionen 🙂

Die offizielle Version ist, wie könnte es anders sein, die Einzeltäterversion. Der Einzeltäter mit Schaden ist also des Nachts losgezogen und hat die Leute erschossen. Damit habe ich folgende Probleme:
1. kein Soldat der einigermassen klar bei Verstand ist, wird des Nachts ALLEINE den Schutz des Lagers verlassen und in Feindesgebiet vordringen. So ein einfaches Ziel wäre perfekt für die Al-Kaida resp Taliban und was die mit einem gefangenen US-Soldaten machen würden dürfte jedem klar sein.
2. Truppen der regulären Armee sind selten als Einzelgänger unterwegs. Einzeln (und damit geduckt und getarnt) sind eher Scharfschützen da draussen
3. mich deucht, dass ich auf den Aufnahmen vom „Tatort“ in den Nachrichten unterschiedliche Kaliber von Patronenhülsen erkennen konnte

Version B:
Das ganze fand im Zuge einer militärischen Operation statt und die Kameraden, die mit auf dem Auftrag waren konnten oder wollten den Täter nicht stoppen. In diesem Fall wäre es nur logisch das Ganze als Einzeltäter abzutun, weil man ja kaum begründen könnte, wieso der Täter nicht von seinen Kameraden gestoppt werden konnte. Notfalls auch mit tödlicher Gewalt.
Man sollte sich vor Augen halten, dass die Begründung mittels Einzeltäter bzw Verband ausser Kontrolle auch die erste offizielle Version von My Lai war. Und das war nachgewiesenermassen kein Einzelfall, nur das bekannteste „Massaker“ des Vietnamkrieges. Vergeltungsaktionen wurden ganz offiziell in bestimmten Gebieten Vietnams durchgeführt, um den Rückhalt des Feindes (Vietcong und nordvietnamesische Armee) in der Zivilbevölkerung zu brechen. Dabei kam es massig zu Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit. Es wäre also beileibe nicht der erste Fall in der Geschichte der amerikanischen Kriegsführung

Version C:
Diese Version ist sehr mit Version B verbunden mit dem Unterschied, dass die Kameraden es nicht nur nicht verhindert haben, sondern auch aktiv an der „Aktion“ teilnahmen. So zumindest was es in My Lai, also wäre es auch nicht der erste Fall in der Geschichte.

Version D:
zu allen Versionen A-C bestünde mit D jeweils noch die Möglichkeit, dass es keine Mitglieder der regulären US-Streitkräfte waren, sondern Privatsöldner, welche sowohl im Irak wie auch Afghanistan bis zu 30% der Truppenstärke ausmach(t)en. Diese Version hätte zu Folge, dass der (die) Täter von einem afghanischen Zivilgericht verurteilt werden müssen. Denn es ist offizielle Doktrin der Streitkräfte der USA, dass diese Privatarmeen explizit nicht unter Militärstrafrecht fallen. Also können nur zivile Gerichte zuständig sein und dabei spielt der Ort der Tat die Hauptrolle und nicht die Herkunft des Täters

Fazit:
Nach Militärstrafrecht der USA und den dortigen gelten zivilen Rechte zu Mord und Totschlag, kann es eigentlich nur eine Strafe geben. Zivil betrachtet wäre das Massenmord und nach Militärrecht steht darauf diskussionslos die Todesstrafe. Nun bin ich definitiv kein Befürworter der Todesstrafe. Aber wenn man es „als Sache der USA“ betrachtet, wenn in bestimmten Staaten zur Tatzeit Minderjährige oder zu 100% Schuldunfähige hingerichtet werden dürfen, dann kann man in diesem Fall nicht ernsthaft gegen die Todesstrafe argumentieren. Zudem muss bei Versionen A-C immer beachten, dass dies von regulären Truppen verübt wurde und diese unterstehen dem viel härteren Militärstrafrecht. Von dem her finde ich die Aussage des US-Verteidigungsministers, dass in diesem Fall die Todesstrafe Anwendung finden kann, nur richtig. Eigentlich gibt es keine Option zu dieser Brachialstrafe.
Für mich könnte einzig und allein ein afghanisches Gericht das Recht haben, keine Todesstrafe zu verhängen bzw ein Gnadengesuch der Angehörigen der Opfer und/oder des afghanischen Staates.
Sollte Version A also wirklich wahr sein und kommt der (die) Täter vor US-Gericht, dann darf es kein anderes Urteil als die Todesstrafe geben. Einfach nochmal um das in klare Worte zu fassen: Morde in Kriegsgebieten, an Zivilisten durch reguläre Truppen verübt, sind Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit.

Wer argumentiert dass man diese Worte bei dieser „geringen“ Anzahl Opfer nicht verwenden darf, sollte dringend prüfen ob sich in der Nähe seines moralischen Kompasses ein Magnet befindet

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